Eine frühe und ungewöhnlich breit angelegte Geschichte der „Nürnberger Schweiz“, die von der vorgeschichtlichen Houbirg über Burgen, Ritter und Hexenprozesse bis zu den Kriegen der frühen Neuzeit führt.
Johann Wolfgang Wörlein: Die Houbirg oder Geschichte der Nürnberger Schweiz. Hersbruck, Altdorf und Lauf mit ihren Umgebungen in welthistorischem Zusammenhang.
Erste Ausgabe. Verlag: Nürnberg, Druck der Sebald’schen Offizin, 1838. Kl.-8°. XX, 227 S. Mit großer mehrfach gefalteter lithographierter Karte der Houbirg. Halbleinenband der Zeit mit marmorierten Deckelbezügen. 18 x 11 cm
Die Houbirg bei Happurg bildet den Ausgangspunkt für Wörleins weitgespannte Darstellung der Geschichte des Nürnberger Landes. Von den mächtigen vorgeschichtlichen Wallanlagen ausgehend, versucht er die früheste Besiedlung der Region zu rekonstruieren und verfolgt Kelten und Germanen, Völkerwanderung, Christianisierung sowie die Entstehung der mittelalterlichen Herrschaftsverhältnisse. Seine Deutungen der Houbirg entsprechen dabei dem Forschungsstand und den Vorstellungen des frühen 19. Jahrhunderts und sind gerade deshalb ein interessantes Zeugnis der damaligen Altertumsforschung. Bereits unmittelbar nach Erscheinen wurde das Werk vom Historischen Verein in Mittelfranken ausführlich diskutiert.
Von dort entwickelt Wörlein ein ausgesprochen farbiges Panorama der Regionalgeschichte. Er berichtet über die alten Herrschergeschlechter und Burgen, Hersbruck, Altdorf und Lauf, mittelalterlichen Handel und Eisenstraßen, Klöster und Ritterwesen, Raubburgen und Hussitenkrieg sowie die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg. Auch Wallenstein und die Kämpfe um die Region finden ihren Platz.
Besonders anschaulich sind die Kapitel über Rechts- und Alltagsgeschichte: Wörlein behandelt unter anderem Markt-, Münz- und Zollwesen, die Nürnberger Gerichtsbarkeit und die „hochnothpeinlichen Halsgerichte“ in Hersbruck, Altdorf und Lauf. So verbindet das Buch Ortsgeschichte, Archäologie, Sagenwelt und historische Ereignisse zu einem vielseitigen Porträt des Nürnberger Landes vom Altertum bis in die Neuzeit.
Einband etwas berieben, innen stellenweise leicht stockfleckig. Die große Faltkarte mit einigen Flecken bzw. Feuchtigkeitsrändern, jedoch vollständig und gut erhalten. Insgesamt ein ordentliches, vollständiges Exemplar dieser seltenen frühen Regionalgeschichte.
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