Ein umfangreiches gynäkologisches Handbuch des frühen 19. Jahrhunderts, das eindrucksvoll den damaligen Stand der Frauenheilkunde und zugleich zeitgenössische Vorstellungen vom weiblichen Körper dokumentiert.
Johann Christian Gottfried Jörg: Handbuch der Krankheiten des Weibes nebst einer Einleitung in die Physiologie und Psychologie des weiblichen Organismus.
Verlag: Leipzig, Carl Cnobloch, 1821. Zweyte ganz umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage. XVI, 912 S. Mit 1 gefalteten Kupfertafel mit mehreren Darstellungen gynäkologischer Instrumente. Marmorierter Pappband der Zeit. 21 x 13 cm
Johann Christian Gottfried Jörg nähert sich der Frauenheilkunde ungewöhnlich umfassend: Seiner eigentlichen Krankheitslehre stellt er eine ausführliche Betrachtung der Physiologie und – aus zeitgenössischer Sicht – Psychologie der Frau voran. Gerade diese Verbindung macht das Werk heute zu einer interessanten Quelle für die Geschichte der Medizin und der Geschlechterbilder im frühen 19. Jahrhundert. Moderne Forschungen zur Medizin- und Geschlechtergeschichte greifen deshalb noch auf Jörgs Werk zurück.
Der medizinische Hauptteil behandelt ein breites Spektrum gynäkologischer Erkrankungen, darunter Entzündungen und Lageveränderungen der Gebärmutter, Menstruationsbeschwerden, Erkrankungen während Schwangerschaft und Wochenbett sowie Geschwülste und Krebserkrankungen. Jörg verbindet Krankheitsbeschreibung, Ursachenlehre, Diagnose und therapeutische Maßnahmen und setzt sich dabei wiederholt mit den Auffassungen anderer führender Geburtshelfer und Gynäkologen seiner Zeit auseinander.
Besonders anschaulich wird die praktische Medizin durch die beigefügte Kupfertafel: Sie zeigt verschiedene gynäkologische Instrumente und Apparaturen und vermittelt damit unmittelbar einen Eindruck von den damaligen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden. Zusammen mit den medizinischen Ausführungen macht dies den Band zu einem charakteristischen Zeugnis der sich im frühen 19. Jahrhundert zunehmend als eigenes Fachgebiet etablierenden Frauenheilkunde.
Der zeitgenössische Einband stark berieben und beschabt, Rücken mit größeren Fehlstellen. Der Buchblock dagegen insgesamt sauber und gut erhalten; die gefaltete Kupfertafel ebenfalls schön erhalten. Trotz der deutlichen Einbandspuren ein vollständiges und innen ansprechendes Exemplar.
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