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Zwei aufschlussreiche und seltene Schriften zur preußischen Hofgeschichte, die sich mit dem außergewöhnlichen Aufstieg und dem anschließenden Sturz Wilhelmine Gräfin von Lichtenau beschäftigen, der langjährigen Vertrauten und Mätresse König Friedrich Wilhelms II. von Preußen. Ein interessantes zeitgenössisches Zeugnis der politischen Skandalliteratur um 1800.

 

 

August Wilhelm Baranius (Pseudonym; möglicherweise Johanna Isabella Eleonore von Wallenrodt): Versuch einer Biographie der Frau Gräfin von Lichtenau, einer berühmten Dame des vorigen Jahrhunderts.

Erstausgabe. Verlag: Zürich und Lindau (fingierter Erscheinungsort; tatsächlich Leipzig, Wilhelm Rein), 1800. 6 Bl., 132 S. Mit gestochenem Porträtfrontispiz der Gräfin von Lichtenau

Angebunden: Unpartheiisches Verhör der Gräfin von Lichtenau oder ihrer Bekenntnisse zweites Heft. 

Erstausgabe. Verlag: Pyrmont, 1798. 96 S. Zwei Schriften in einem Band. Kleinoktav, ca. 16,5 × 10,5 cm. Halblederband der Zeit mit goldgeprägtem Rückenschild, Rückenvergoldung, Lederecken und marmorierten Vorsätzen. – Weller 172; Hayn-Gotendorf IV, 158; ADB XI, 733 f.

 

Wilhelmine Encke (1753–1820), seit 1796 Gräfin von Lichtenau, gehörte zu den schillerndsten Persönlichkeiten des preußischen Hofes. Als langjährige Vertraute Friedrich Wilhelms II. nahm sie eine herausgehobene Stellung im höfischen Leben ein. Nach dessen Tod im November 1797 verlor sie ihren politischen Rückhalt, wurde verhaftet und sah sich einer Welle öffentlicher Anschuldigungen ausgesetzt. Ihr Schicksal beschäftigte die zeitgenössische Presse und führte zur Veröffentlichung zahlreicher polemischer Schriften.

 

Die unter dem Pseudonym August Wilhelm Baranius erschienene Biographie zeichnet ein ausgesprochen kritisches Bild der Gräfin und ihres Umfeldes. Sie verbindet biographische Nachrichten mit höfischen Anekdoten, Vorwürfen persönlicher Bereicherung und Darstellungen der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse am preußischen Hof. Besonders interessant ist die ungeklärte Verfasserschaft: Neben dem Pseudonym Baranius wird auch Johanna Isabella Eleonore von Wallenrodt (1740–1819) als mögliche Autorin genannt. Die Schrift ist damit zugleich ein bemerkenswertes Dokument der weiblichen Autorschaft und der politischen Publizistik des späten 18. Jahrhunderts.

 

Das beigebundene Unpartheiische Verhör der Gräfin von Lichtenau ergänzt die Biographie um eine weitere zeitgenössische Auseinandersetzung mit der umstrittenen Hofdame. Die Verbindung beider Schriften macht den Band zu einer besonders interessanten Quelle für die öffentliche Wahrnehmung der Gräfin und die Skandalisierung des preußischen Hoflebens nach dem Regierungswechsel von 1797.

 

 

Der Halblederband stärker berieben und bestoßen. Innen stellenweise wasserrandig und altersbedingt gebräunt. Das letzte Blatt beschädigt mit Textverlust. Insgesamt ein interessantes zeitgenössisches Sammelstück mit erhaltenem Porträtkupfer.

 

 

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EA 1800 - Versuch einer Biographie der Frau Gräfin von Lichtenau

380,00 €Preis
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