Ein bibliophiles Dokument französischer Kulturgeschichte, das den Geschmack des Ancien Régime auf höchst elegante Weise widerspiegelt – inhaltlich reich und künstlerisch illustriert
Claude-Joseph Dorat: Lettres en vers et Oeuvres mêlées
Erste Auflage. Verlag: Paris, Sébastien Jorry, 1767. 213 Seiten mit gestochenem Titelblatt, 19 gestochenen Vignetten und 6 Kupfertafeln. Zeitgenössischer Lederband, Rücken mit goldgeprägtem Titel und feiner Ornamentik, Marmorpapiervorsätze, Marmorschnitt, 19 x 12 cm
Seltene Originalausgabe des ersten Bandes von Dorats „Lettres en vers“, einer Sammlung von in Versform verfassten Briefen, die teils fiktive, teils historische Figuren auftreten lassen. Die poetischen Briefe sind dramatisch inszeniert, voller Empfindsamkeit und Pathos, und spiegeln Dorats Fähigkeit wider, die literarische Mode seiner Zeit – zwischen Rokoko-Leichtigkeit und frühromantischer Empfindsamkeit – virtuos umzusetzen. Unter den abgebildeten Briefen finden sich etwa die „Lettre de Barnevelt“ oder die „Lettre de Valcour à son père“, begleitet von eindrucksvollen Kupferstichen, die die Handlung visuell dramatisieren.
Der Autor Claude-Joseph Dorat (1734–1780), oft als „le poète doré“ bezeichnet, war ein gefeierter Literat des 18. Jahrhunderts, der sowohl als Dramatiker wie auch als Dichter und Satiriker hervortrat. Er bewegte sich im Kreis der Aufklärer, stand aber zugleich in Konkurrenz zu Autoren wie Voltaire oder Rousseau, die seine elegante, oft galante Schreibweise nicht ohne Kritik sahen. Seine Lettres en vers gelten als sein Hauptwerk und trugen entscheidend zu seinem literarischen Ruhm bei.
Etwas braunfleckig, vorderer fliegender Vorsatz fehlt, sonst sehr schönes Exemplar in guter Erhaltung.

