Ein außergewöhnliches Zeugnis der französischen Justiz- und Gefängnisgeschichte: Constantin de Rennevilles erschütternder Bericht über seine jahrelange Gefangenschaft in der Pariser Bastille gehört zu den bedeutenden frühen Enthüllungsschriften über das berüchtigte Staatsgefängnis des französischen Absolutismus.
Constantin de Renneville: Historie von der Bastille in Paris
Erste deutsche Ausgabe. Verlag: Ohne Ort und Drucker, 1720–1727 (Teil I: 1727, Teil II: 1720, Teil III: 1722, Teil IV: 1724). Vier Teile in vier Bänden. Mit 48 (von 48) Kupfertafeln, Titelblätter in Schwarz und Rot gedruckt. Vier neue, einheitliche und hochwertige Halb-Wildlederbände mit schwarzen Wildlederrücken, farblich abgesetzten Deckeln, roten Rückenschildern und Goldprägung.
Der französische Schriftsteller und Abenteurer Constantin de Renneville (1650–1723) wurde 1702 in Paris unter dem Verdacht verhaftet, als Spion für die Niederlande tätig zu sein. Ohne reguläres Gerichtsverfahren verbrachte er rund elf Jahre in der Bastille, bevor er 1713 freikam. Seine Erfahrungen verarbeitete er in einem umfangreichen Bericht, der schon Jahrzehnte vor der Französischen Revolution ein aufsehenerregendes Bild der königlichen Willkürjustiz vermittelte.
Renneville schildert den Alltag hinter den Mauern der Festung, die Behandlung der Gefangenen, Verhöre, Bestrafungen, Haftbedingungen und die psychischen Belastungen einer oft völlig ungewissen Gefangenschaft. Neben eigenen Erlebnissen berichtet er von zahlreichen Mitgefangenen und ihren Schicksalen. Die Darstellung verbindet persönliche Erinnerungen mit einer scharfen Kritik am Machtmissbrauch des absolutistischen Staates.
Das Werk ist zugleich eine wichtige Quelle für die Entstehung des europäischen Bastille-Mythos. Lange bevor die Erstürmung der Festung am 14. Juli 1789 zum Symbol der Französischen Revolution wurde, trugen Berichte wie derjenige Rennevilles dazu bei, die Bastille als Sinnbild staatlicher Unterdrückung im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.
Die vier Bände wurden einheitlich und hochwertig in Halb-Wildleder neu gebunden. Das historische Papier stellenweise gebräunt, vereinzelt fleckig und mit kleineren altersbedingten Randläsuren. Insgesamt ein attraktives, dekorativ gebundenes Exemplar dieses bemerkenswerten Werkes.
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