Eine seltene barocke Pestschrift aus dem Jahr 1668 – eindrucksvolles Zeugnis religiöser Krisenbewältigung in einer Zeit, in der Seuchen das Leben ganzer Landstriche bestimmten.
Johannes Martinus: Etliche Gewissens-Fragen von der Pestilentz, Auß der Heyligen Schrifft beantwortet: Sampt Cypriani Tractat von der Sterblichkeit oder von der Pest. Und etlichen Gebätten, so sich auff bemeldte Fragen reimen.
Erste Ausgabe. Verlag: Bern, Georg Sonnleitner, 1668. 28 Bll., 506 S. + 11 Bll., 125 S. Pergamentband der Zeit. 17 x 11 cm
Sehr selten! Weltweit nach Worldcat nur vier Exemplare in Bibliotheken nachweisbar (USA, Wolfenbüttel, Basel, Bern)
Die seltene Erstausgabe zählt zu den bemerkenswerten deutschsprachigen Pestschriften des 17. Jahrhunderts. Verfasst vom reformierten Theologen Johannes Martinus (1603–1665), widmet sich das Werk den religiösen, moralischen und praktischen Fragen, die während einer Pestepidemie das Leben der Menschen bestimmten. In Form von „Gewissens-Fragen“ behandelt Martinus Themen wie den Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen angesichts der Seuche, den rechten christlichen Umgang mit Angst und Tod, die Verpflichtungen von Geistlichen und Gemeindemitgliedern sowie die Frage, ob und unter welchen Umständen eine Flucht vor der Pest zulässig sei.
Von besonderem Interesse ist die Verbindung theologischer Argumentation mit konkreten Handlungsanweisungen für den Alltag während einer Epidemie. Die Ausführungen spiegeln eindrucksvoll die Mentalitäts- und Frömmigkeitsgeschichte des Barock wider und vermitteln zugleich ein authentisches Bild frühneuzeitlicher Seuchenbewältigung. Ergänzt wird das Werk durch den berühmten Traktat des Kirchenvaters Cyprian über Sterblichkeit und Pest, der bereits in der Spätantike entstand und in Zeiten neuer Seuchenzüge erneut große Verbreitung fand. Gebete und erbauliche Texte runden den Band ab und machen ihn zu einer bedeutenden Quelle für Kirchen-, Medizin- und Kulturgeschichte.
Die vorliegende Ausgabe erschien während einer Phase wiederkehrender Pestzüge im deutschsprachigen Raum und dokumentiert eindrucksvoll die religiösen Antworten auf eine existenzielle Bedrohung, die über Jahrhunderte hinweg das gesellschaftliche Leben prägte. Seltene Pestliteratur dieser Zeit erfreut sich heute großer Nachfrage bei Sammlern historischer Medizin, Theologie und Kulturgeschichte.
Teilweise mit leichtem Feuchtrand und vereinzelten Fleckspuren. Drei Blätter des Anhangs fehlen und wurden durch ältere Kopien ersetzt. Insgesamt dennoch ein ansprechendes und gut erhaltenes Exemplar dieser seltenen barocken Pestschrift.
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