Ein außergewöhnliches, authentisches Gästebuch aus dem Münchner Nachkriegs-Künstlermilieu, reich an Originalhandschriften und Zeichnungen, von hoher kultur- und zeitgeschichtlicher Aussagekraft – ein seltenes Unikat zwischen Literatur, Kunst und Alltagsgeschichte.
Gästebuch „Paprika“, München 1951–1952
Originales, handschriftlich geführtes Gästebuch eines Münchner Künstler- und Szenelokals der frühen Nachkriegszeit in rotem Ledereinband mit Buntpapiervorsätzen und Goldschnitt, zeittypisch schlicht, mit deutlich gelebter Patina. Der Band enthält zahlreiche eigenhändige Einträge aus den Jahren 1951 und 1952, darunter Gedichte, spontane Texte, Widmungen, Datierungen, Zeichnungen, Karikaturen und lockere Skizzen in Bleistift, Tinte und Farbstift. Mehrfach finden sich datierte Einträge sowie persönliche Notationen, die auf eine kontinuierliche Nutzung des Buches im laufenden Lokalbetrieb schließen lassen.
Der Charakter des Gästebuchs ist ausgesprochen lebendig: Neben humoristischen und literarischen Beiträgen stehen rasch hingeworfene Zeichnungen, figürliche Skizzen, Musik- und Wirtshausszenen sowie augenzwinkernde Kommentare zum Zeitgeist der frühen Bundesrepublik. Die Einträge spiegeln deutlich das Milieu eines ungezwungenen Treffpunkts für Künstler, Schauspieler, Musiker und Intellektuelle wider. Mehrere Seiten sind dicht beschrieben, andere enthalten einzelne signifikante Illustrationen; vereinzelt wurden Drucksachen oder Vignetten eingelegt bzw. eingeklebt.
Zum Lokal „Paprika“:Aus dem Gästebuch selbst geht hervor, dass es sich um ein Münchner Lokal mit stark kulturellem und künstlerischem Publikum handelte. Stil, Ton und Inhalt der Beiträge sprechen für ein kleines Kabarett-, Künstler- oder Nachtlokal, wie sie im München der frühen 1950er-Jahre zahlreich existierten – Orte der informellen Begegnung, des Austauschs und der improvisierten Kunst nach den Jahren des Umbruchs. Eine gesicherte institutionelle Dokumentation ist bislang nicht eindeutig belegbar; das Gästebuch selbst stellt daher eine besonders wertvolle Primärquelle zur Existenz und Atmosphäre dieses Ortes dar.
Der Erhaltungszustand ist altersentsprechend gut: Einband berieben, Ecken und Kanten leicht abgestoßen, Papier minimal gebräunt; die Handschriften und Zeichnungen sind jedoch klar erkennbar und gut lesbar. Kein moderner Eingriff, keine Glättung oder Retusche – ein unverfälschtes Zeitdokument.

