Eine reich illustrierte Sammlung frühchristlicher Heiligen- und Einsiedlerleben, deren zahlreiche großformatige Kupferstiche das asketische Ideal des 18. Jahrhunderts besonders eindrucksvoll ins Bild setzen.
[Joseph-François Bourgoin de Villefore]: Lebens-Beschreibung der heiligen Altväter und derjenigen Frauenpersonen, welche sich in den ersten und nachfolgenden Jahrhunderten der Einsamkeit beflissen haben.
Verlag: Krems, Franz Xaver Dasenberger, 1761. Zweite Auflage. 4°. Zwei Bände. 7 Bl., 352 S., 2 Bl.; 1 Bl., 224, 42 S.; 1 Bl., 116 S. Mit zahlreichen ganzseitigen Kupferstichen. Halblederbände der Zeit mit reicher Rückenvergoldung, Rückenschildern und Rotschnitt.
Das Werk führt in die Welt der frühchristlichen Eremiten und Wüstenväter, deren Rückzug aus der Gesellschaft als radikale Form religiöser Hingabe verstanden wurde. In zahlreichen Einzelbiographien werden ihre Lebenswege, Askese, Gebete, Versuchungen und Wunder geschildert. Neben den berühmten männlichen Einsiedlern nimmt die Sammlung ausdrücklich auch Frauen auf, die sich in den ersten Jahrhunderten des Christentums für ein zurückgezogenes geistliches Leben entschieden.
Besonders reizvoll ist die enge Verbindung von Text und Bild. Die Heiligen erscheinen auf den Kupfern nicht lediglich als konventionelle Porträts, sondern in ausführlich ausgestalteten Szenen ihres Einsiedlerlebens: im Gebet, in kargen Behausungen oder in einer symbolisch aufgeladenen Landschaft. Die Bildunterschriften greifen häufig einzelne Gedanken oder Aussprüche der dargestellten Person auf. Bereits frühere Ausgaben des Werkes waren außerordentlich reich illustriert; für eine Ausgabe von 1741 sind beispielsweise ein Frontispiz und 143 Kupfer nachgewiesen.
Ergänzt werden die Lebensbeschreibungen durch die Reden und Thaten der Einsiedler ersterer Zeit sowie die Abhandlung De Vita Solitaria über das Einsiedlerleben nach biblischen und frühchristlichen Vorbildern. So entstand weniger ein bloßes Heiligenlexikon als ein umfangreiches Erbauungswerk über Askese, Weltentsagung und religiöse Selbstdisziplin – zugleich ein anschauliches Zeugnis dafür, wie die frühchristliche Eremitentradition noch im katholischen 18. Jahrhundert vermittelt und verehrt wurde.
Die zeitgenössischen Einbände stark berieben und beschabt, insbesondere an Rücken, Kanten und Ecken mit Fehlstellen und Läsuren; Bindungen stellenweise gelockert bzw. angegriffen. Ehemalige Bibliotheksexemplare mit Stempeln und älteren Besitzvermerken. Innen teilweise altersbedingt gebräunt bzw. fleckig, die Kupfer und der Satzspiegel jedoch überwiegend gut erhalten. Trotz der deutlichen Einbandspuren ein inhaltlich und vor allem illustrativ sehr ansprechendes Exemplar.
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